Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Stattbau
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Die STATTBAU GmbH ist eine 1983 gegrĂŒndete Stadtentwicklungsgesellschaft mit Sitz in Berlin. Stattbau handelt als Unternehmen im Staatsauftrag und seit den 1990er Jahren auch in Zusammenarbeit mit öffentlichen und gemeinnĂŒtzigen Institutionen mit Schwerpunkt in der Stadterneuerung Berlin.

Stattbau war als SanierungstrĂ€ger Akteur der Behutsamen Stadterneuerung in Berlin ab den 1980er Jahren und legt traditionell Wert auf BĂŒrgerbeteiligung. Nach der Wiedervereinigung zĂ€hlte Stattbau zu den TrĂ€gern in den Sanierungs- und Stadtumbau-Projekten in Ost-Berlin und Brandenburg. Heute werden Projekte auch bundesweit realisiert.

Contents

‱ Geschichte
‱ Hintergrund
‱ Weblinks
‱ Literatur

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Unternehmen

„Die TĂ€tigkeit von Stattbau als SanierungstrĂ€ger besteht in der UnterstĂŒtzung und Entwicklung von stadtteilbezogenen Modellen fĂŒr den Wohnungs- und Gewerbebau und damit verbundener Infrastrukturmaßnahmen sowie fĂŒr Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen.“ (Klassifizierung des Statistischen Bundesamtes). Stattbau fĂŒhrt TreuhandtĂ€tigkeiten aus.

Gesellschafter

‱ Evangelischer Kirchenkreis Berlin Stadtmitte
‱ Stiftung Invitrust
‱ Mitarbeiterbeteiligung GbR

Arbeitsfelder

‱ Stadt·Beratung (Wohnbau-Genossenschaften)
‱ Stadt·Entwicklung (Stadtumbau und -sanierung)
‱ Stadt·Projekte (Infrastruktur, Denkmalschutz, Ökologie, Öffentliche Bereiche)
‱ Stadt·Raum·Kirche (Nutzungs- und Entwicklungskonzepte Kirchen und Friedhöfe)

Geschichte

Die GrĂŒndung von Stattbau fand vor dem Hintergrund bis dahin in der Nachkriegszeit unbekannter Unruhen in der Bevölkerung West-Berlins Anfang der 1980er Jahre statt.

Hintergrund

Im Rahmen der FlĂ€chensanierung, die ab 1964 als Konzept der Stadtentwicklung in Berlin den Abriss der Altbau-Stadtquartiere zugunsten von Neubauten vorantrieb, kam es nach eher deklamatorischem Widerstand Mitte der 1970er Jahre, ab 1979 zu ersten „Instandbesetzungen“, die ab FrĂŒhjahr 1981 in eine Welle von Hausbesetzungen vor allem in Kreuzberg und Schöneberg mĂŒndeten. Der Versuch der Senatspolitik, mit PolizeieinsĂ€tzen diese ‚Sanierungshemmnisse‘ zu beseitigen, scheiterte nicht nur an der ausdauernden Konfliktbereitschaft der meist jugendlichen Besetzer, sondern auch an deren UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung und in Institutionen.

Hinzu kam Widerstand gegen die „Kaputtsanierung“ unter Stadtplanern, Architekten und selbst in Behörden. Mit dem Senatsbeschluss zur Ausrichtung einer Internationalen Bauausstellung (IBA), zuerst geplant zum Jahr 1984, konnten die Opponenten gegen die Sanierungspraktiken der 1960/1970er Jahre eine gut finanzierte Projekt- und Veranstaltungsreihe nutzen, um mit der „Behutsamen Stadterneuerung“ ein auch in der Politik schließlich mehrheitsfĂ€higes Konzept zu erstellen, das im Verlauf der 1980er Jahre zu einer Umorientierung in der Stadterneuerung Berlins fĂŒhrte.


Faktisch wurde die FlĂ€chensanierung durch die im Sommer 1981 rund 170 HĂ€user zĂ€hlenden Besetzungen gestoppt, die jedoch juristisch als Rechtsbruch gewertet, den Innensenator Heinrich Lummer zu massiven Gegenmaßnahmen veranlassen konnten. Die zahlreichen RĂ€umungen fĂŒhrten dann zu StraßenkĂ€mpfen, die sich zu ‚bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Unruhen‘ steigerten.

Nachdem im September 1981 im Rahmen einer Großaktion der Polizei der Hausbesetzer Klaus-JĂŒrgen Rattay ums Leben gekommen war, wurden auf Initiative des Regierenden BĂŒrgermeisters Richard von WeizsĂ€cker vom Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin, Martin Kruse, GesprĂ€che vermittelt, mit dem Ziel einer dauerhaften „friedlichen Lösung“ der Konflikte. Zum Partner im Kontakt zu den Hausbesetzer-Gruppen wurde die Organisation Netzwerk Selbsthilfe e. V., eine GrĂŒndung der 68er-Bewegung zur Finanzierung von Alternativprojekten, gewonnen.

Weg zur Konfliktlösung

Der von der Kirche beauftragte Rechtsanwalt Rainer Papenfuß brachte den Vorschlag ein, einen alternativen SanierungstrĂ€ger fĂŒr ‚verhandlungsbereite HĂ€user‘ einzurichten. Dies ließ sich erst nach heftigen internen Auseinandersetzungen auf beiden Seiten mit einem die VerstĂ€ndigung permanent gefĂ€hrdenden, wechselseitigen Aktionismus erreichen. Netzwerk hatte im April 1982 zunĂ€chst einen SanierungstrĂ€ger mit Namen Netzbau gegrĂŒndet, der jedoch von einer Mitgliederversammlung im Dezember 1982 nach einer als beabsichtigte Provokation durch den Innensenator gewerteten RĂ€umung, wieder aufgelöst worden war.


Nach erneuerten GesprĂ€chen kam es zu einer Aufhebung des Auflösungsbeschlusses und zu einer auf erweiterter Grundlage stehenden und von Netzwerk abgelösten GrĂŒndung des SanierungstrĂ€gers Stattbau im MĂ€rz 1983. Am 13. Juli 1983 wurde Stattbau ins Handelsregister eingetragen.

Juristisch begleitet und ermöglicht wurde dieser Vorgang durch bereits seit den 1970er Jahren arbeitende Fachgruppen von Architekten und Stadtplanern unter Hardt-Waltherr HĂ€mer, die teils von Bausenatoren unterstĂŒtzt worden waren. Sie entwickelten parallel zum Konfliktgeschehen das Konzept einer „Behutsamen Stadterneuerung“, mit dem die FlĂ€chensanierung ĂŒber den politischen auch im gesetzgebenden Prozess abgelöst werden konnte.

BewÀhrung in Kreuzberg

Der die komplexen Entwicklungen vor Ort regulierende und praktisch umsetzende SanierungstrĂ€ger Stattbau war nun das Unternehmen, das im Kreuzberger Block 103 mit 12 HĂ€usern und dem besonders symboltrĂ€chtigen „Problemhaus“ Oranienstraße 198 im Block 104 vom Herbst 1983 bis 1986 den Kommunikations- und Arbeitsprozess ‚mustergĂŒltig‘ bewĂ€ltigte. Bilanziert wurde 1990er die Sanierung von insgesamt ca. 60 besetzten HĂ€usern und einer damit verbundenen Legalisierung der Bewohnergruppen.

Beim Abschluss dieser Phase, die mit dem 1983 auch politisch verabschiedeten Konzept der Behutsamen Stadterneuerung eine grundlegende Wandlung der Stadterneuerung in Berlin eingeleitet hatte, erfolgte im historischen Prozess der Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands.

Neue Aufgabenstellung

Da in Berlin Ost und West unmittelbar zueinander kamen, wurde hier rasch der katastrophale Zustand der GrĂŒnderzeitviertel in Ost-Berlin offensichtlich. Es bestand hier hoher Handlungsbedarf und es standen die beiden, nun in komplexen Prozessen erfahrenen, auch vor allem demokratisch motivierten SanierungstrĂ€ger Stattbau und S·T·E·R·N zur VerfĂŒgung. Das erwies sich auch deshalb als gĂŒnstig, weil die Betroffenenbeteiligung in der Arbeitsorganisation beider Unternehmen einen hohen Stellenwert besaß und sich in den Ost-Berliner Vierteln bereits aktive, gegen die dortige Stadtzerstörung opponierende Gruppen gebildet hatten.

Dies stellte fĂŒr ein Jahrzehnt auch Stattbau vor neue Herausforderungen.

Erste ZĂ€sur 1990

Hardt-Waltherr „Gustav“ HĂ€mer, Initiator der „Behutsamen Stadterneuerung“ beschrieb die Lage 1989:

„Hoher Leerstand, in Ost-Berlin ca. 25.000 Wohnungen, allein im Bezirk Prenzlauer Berg ca. 8.000, d. h. fast doppelt soviel wie in West-Berlin insgesamt zu Beginn der achtziger Jahre, als die Hausbesetzungen und die Auseinandersetzungen ĂŒber die Wohnungspolitik ihren Höhepunkt erreichten; jahrzehntelang unterlassene Instandhaltung und fortgeschrittener Verfall eines großen Teils der Altbausubstanz, Mangel an dringend benötigten Baumaterialien; keine kostendeckende Bewirtschaftung der HĂ€user aus den laufenden Mieteinnahmen; Stadterneuerung ohne BĂŒrgerbeteiligung, Abriß historisch wertvoller GebĂ€ude, »Diktat des Plans« ohne RĂŒcksicht auf soziale Strukturen und individuelle BedĂŒrfnisse.“cite-ref-1[1]

Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der gebotenen Eile beschloss am 6. Februar 1990 „der Senat die ‚außerplanmĂ€ĂŸige Mittelbereitstellung zur Förderung dringender Stadterneuerungsmaßnahmen im Großraum Berlin‘ in Höhe von 25 Millionen DM fĂŒr in den Jahren 1990 und 1991 zu realisierende Maßnahmen.“ Die Mittel sollten insbesondere in Mitte und Prenzlauer Berg eingesetzt werden und die Vergabe war „an die Bedingung geknĂŒpft, daß aus Ost-Berlin KomplementĂ€rmittel fĂŒr die Erneuerungsmaßnahmen bereitgestellt werden.“ Damit wurde insgesamt „ein Bauvolumen von ca. 60 Millionen DM aktiviert.“cite-ref-2[2]

In West-Berlin standen die mit dem Umschwung von der FlĂ€chensanierung zur Behutsamen Stadterneuerung und auch mit selbstbewussten Mietergruppen erfahrenen Stadtsanierer STATTBAU und S·T·E·R·N nebst StĂ€dtischen Gesellschaften und einigen BĂŒros zur VerfĂŒgung. Diese wurden vom Berliner Abgeordnetenhaus mit der Untersuchung der ZustĂ€nde in den östlichen Stadtteilen betraut.cite-ref-3[Anm 1]

In Erwartung der AuftrĂ€ge in Ost-Berlin wurden ab 1990 Qualifikationsprojekte eingerichtet, auch um einen erweiterten, eigenen Personalstock aufzubauen. Das Projekt Bauhof Friedrichshain (spĂ€ter Stattbauhof gGmbH) wurde fĂŒr Arbeitslose aus dem Ostteil eingerichtet.

Weil es kaum möglich war, den Instanzen oder Unternehmen der DDR Erneuerungsprozesse zu ĂŒbertragen, da dort viele Voraussetzungen organisatorischer, technischer und vor allem konzeptioneller Art fehlten, andererseits das Potenzial an fachlich-praktischen Qualifikationen einbezogen werden sollte und musste, fĂŒhrte dies zu vermehrten Planungs-Anforderungen. Um die informellen LĂŒcken auf allen Ostberliner Fachgebieten zu schließen, zogen STATTBAU und S·T·E·R·N Mitarbeiter der Bauakademie der DDR heran.


Unternehmensentwicklung

Nach der komplexen Befassung mit der Sanierung und Legalisierung besetzter HĂ€user ab 1983 und den Notmaßnahmen in Berlin-Friedrichshain nach der Wende 1990, die in allen FĂ€llen zum großen Teil ‚Vermittlungsarbeit‘ bedeutete und Stattbau hĂ€ufig „zwischen zwei StĂŒhle“ brachte, konnte die Gesellschaft ihre AktivitĂ€ten auf eine Vielzahl von Arbeitsbereichen ausweiten.

Entsprechend zĂŒgig mussten die Voraussetzungen an einer Teilhabe an Stadterneuerungsverfahren durch die Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung geregelt werden. In erster Linie in den Funktionen als:

‱ TreuhĂ€nder
‱ Sanierungsbeauftragte
‱ Quartiermanager

Nachdem Stattbau 1983 die Qualifikation als TreuhÀnder der Stadt Berlin erhalten hatte, erhielt das nun unter STATTBAU firmierende Unternehmen 1992 den TreuhÀnderstatus des Landes Brandenburg und konnte TÀtigkeiten in der Stadterneuerung in Nauen und Oranienburg aufnehmen.

Chronik der AktivitÀten und Projekte (1990 bis 2002)

In seiner Chronikcite-ref-4[3] fĂŒhrt STATTBAU eine Auswahl zum Spektrum seiner AktivitĂ€ten an:

‱ 1992: Als TreuhĂ€nder Brandenburg wird STATTBAU Sanierungsbeauftragte der Stadt Nauen zur „Neuordnung der Altstadt“ (Vorbereitung, Koordination und DurchfĂŒhrung).

‱ 1993: Im Plattenbauviertel Marzahn ein Jugendprojekt unter Einbezug der Jugendlichen „in der Form von baulichen Selbsthilfemaßnahmen“.

‱ 1993: In Ostberlin (Friedrichshain) beginnt das Sanierungsverfahren fĂŒr das Samariterviertel, das bis 2011 begleitet wird.

‱ 1994 wird STATTBAU Sanierungsbeauftragte fĂŒr die Altstadt und Innenstadt Oranienburg und die Gebietsentwicklung NeustĂ€dter Markt in Leipzig.

‱ 1995 werden in Berlin ökologische Defizite, aber auch Potenziale der Plattenbauweise als ökologisches Modellvorhaben beim Umbau der Georg-Lichtenberg-Oberschule ermittelt: „Die Umsetzung der Maßnahmen fĂŒhrt zu einer deutlichen Reduzierung der Betriebskosten.“

‱ 1996: GrĂŒndung der Bewohnergenossenschaft Friedrichsheim eG, die auch Einrichtung fĂŒr Gewerberaum einschließt.

‱ 1997: GrĂŒndungsprojekt: Die STATTBAU TreuhandgrundstĂŒcke im Kreuzberger Block 103 – die sanierten und legalisierten HĂ€user der Besetzer – werden „im Rahmen der Privatisierung von der Genossenschaft Luisenstadt eG ĂŒbernommen.“

‱ 1998: Übernahme der Sanierung des Industriestandortes Oberschöneweide in Treptow-Köpenick (Berlin), dazu 2007 das Quartiermanagement (Zeitspanne: 15 Jahre).

‱ 1999 wird mit dem Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte eine Projektwerkstatt Stadt.Raum.Kirche initiiert, um eine Bestandsaufnahme kirchlicher Liegenschaften durchzufĂŒhren.

‱ 2000: Umbau einer ehemaligen KindertagesstĂ€tte in Berlin „Marzahn-Hellersdorf in Systembauweise in ein Zentrum fĂŒr Frauen und MĂ€dchen.“

‱ 2001: Spielplatzumbau im Samariterviertel unter Einbezug der Kinder.

‱ 2002: BeitrĂ€ge zum Berliner Friedhofentwicklungsplan im Auftrag der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und den BezirksĂ€mtern fĂŒr 76 Friedhöfe.

Zwar dominierte das Engagement im Osten der Stadt, doch waren gleichzeitig auch im Westteil laufende Projekte zu bewĂ€ltigen und weitere in Angriff zu nehmen, sodass auch Kooperationen mit weiteren Partnern geschlossen wurden. Das bedeutete eine Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen Institutionen, die sich bei STATTBAU seit der GrĂŒndung zuerst mit der Evangelischen Kirche bewĂ€hrt hatte:

Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche

So nahm STATTBAU neben der „öffentlichen“ TĂ€tigkeit als Unternehmen im Staatsauftrag 1991 AktivitĂ€ten auch außerhalb dieser TreuhĂ€nderfunktion im Bereich Kirchliche Immobilien (HKK) und Infrastrukturprojekte auf: Basis war die GrĂŒndung eines Unternehmens, dessen Gesellschafter zu je 50 % STATTBAU und der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte waren:

Diese 1991 gegrĂŒndete Gesellschaft unterstĂŒtzt soziale TrĂ€ger, gemeinnĂŒtzige Vereine und Kirchengemeinden bei der Instandsetzung und Modernisierung sowie beim Um- und Neubau ihrer Einrichtungen. Das Leistungsspektrum umfasst die Beratung bei den ersten Überlegungen bis zur Planung, Finanzierung, Steuerung, DurchfĂŒhrung und Abrechnung der Baumaßnahmen sowie Aufgaben im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von kirchlichen Immobilien.

KirchengebÀude

1989 hatte bereits – als stadtökologisches Modellprojekt – der Umbau der Heilig-Kreuz-Kirche in der Zossener Straße 65 in Kreuzberg 61 begonnen: Sanierung und Umbau des KirchengebĂ€udes unter Einbeziehung ökologischer und beschĂ€ftigungsfördernder Maßnahmen (bis 2010). Dabei wurde die Kirchbauhof gGmbH gegrĂŒndet, um Langzeitarbeitslose in den Bauhauptgewerken zu beschĂ€ftigen und zu qualifizieren.

1991 wurde ebenfalls gemeinsam mit der Evangelischen Kirche das Projekt Service-Gesellschaft fĂŒr BeschĂ€ftigungs- und Qualifizierungsberatung gmbH zukunft im zentrum (heute zukunft im zentrum GmbH) gegrĂŒndet. Es wird mit der Umsetzung des Arbeitsmarktpolitischen Rahmenprogramms der Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit und Frauen beauftragt.cite-ref-5[4]

Zweite ZĂ€sur (Haushaltsnotlage Berlin)

Die außerordentlichen Belastungen des Westberliner Haushaltes, der bereits hochverschuldet war, fĂŒhrte mit Bankencrash und zu frĂŒhen Erwartungen bezĂŒglich der Hauptstadtfunktionen im Zusammenhang mit den zusĂ€tzlichen Investitionen in den Ostberliner Stadtteilen, fĂŒr die sich kaum privates Kapital bereit fand, seit Ende der 1990er Jahre absehbar in eine Situation, die keine Fortsetzung der vormaligen Finanzierungskonzepte durch die öffentliche Hand erlaubte. Im November 2002 wurde in Berlin der Haushaltsnotstand erklĂ€rt.

AusfĂŒhrlich siehe: Haushaltsnotlage in Berlin

Die Lösung im Baubereich wurde in einer „Neuausrichtung“ der Sanierungspolitik, die den „Erfolg der baulichen Erneuerung“ der bisherigen Vorgehensweise betonte, versucht. Doch diese „Neuausrichtung [
] erfordert begleitend verstĂ€rkt privates Engagement und macht den Einsatz privaten Kapitals in die Wohn- und Gewerbesubstanz unerlĂ€sslich.“

Faktisch konnte der Berliner Senat Bauvorhaben kaum mehr finanzieren, er konnte allenfalls regulieren und STATTBAU in eine Position bringen, in der das Unternehmen aufgrund der staatlichen Vorgaben den privaten Kapitalzufluss steuern konnte. Dies war auch Folge des Wechsels in der Konzeption der Stadterneuerung: Die Stadt setzt ihre Fördermittel nur noch ein „zur Qualifizierung der öffentlichen Infrastruktur, der Aufwertung des Wohnumfeldes und fĂŒr die Finanzierung [
] von Ordnungsmaßnahmen [
], z. B. Bodenordnung, Sozialplanaufgaben der Gemeinde, Einsatz von Sanierungsbeauftragten und -trĂ€gern zur Steuerung des Sanierungsprozesses.“cite-ref-6[5] Das neue Konzept wurde „Soziale Stadterneuerung“ benannt und am 1. Februar 2005 vom Berliner Senat zustimmend zur Kenntnis genommen.


UnabhĂ€ngig von den ÄnderungsbeschlĂŒssen musste das bis dahin aufgelegte Erste Berliner Stadterneuerungsprogramm fortgesetzt werden:

Abschluss der ‚Sanierung der 22 Gebiete‘

Die Schwerpunkte des „Ersten Gesamtberliner Stadterneuerungsprogramms“ ab 1993/1995 lagen in der Hauptsache in Ost-Berlin, in Mitte, Prenzlauer Berg (Pankow) und Friedrichshain. „Insgesamt wurden bis Ende 2011 ĂŒber 1,96 Milliarden Euro öffentliche Mittel in die 22 Gebiete investiert.“ In 21 der 22 Gebiete sind die Arbeiten mittlerweile (Stand: 2019) beendet.cite-ref-7[6]

Zweites Gesamtberliner Stadterneuerungsprogramm

WĂ€hrend das Erste Gesamtberliner Stadterneuerungsprogramm noch lief, wurde das Zweite unter den neuen Bedingungen aufgelegt.

Neue Sanierungsgebiete 2007/2011

Nach der Kenntnisnahme der „LeitsĂ€tze zur Sozialen Stadterneuerung“ durch den Berliner Senat im Februar 2005 bestand eine neue Handlungsgrundlage fĂŒr weitere BeschlĂŒsse, die – im Gegensatz zu vorangegangenen Projekten – sich ausschließlich auf Innenstadtbereiche bezogen. Eine Ausnahme bildete Spandau.

Am 22. Mai 2007 beschloss der Senat von Berlin „Vorbereitende Untersuchungen“ fĂŒr die Karl-Marx-Straße in Neukölln. Dabei war eine „intensive Abstimmung“ notwendig, sodass die Ergebnisse erst 2011 vorlagen.

Am 3. MĂ€rz 2009 wurden „Vorbereitende Untersuchungen“ fĂŒr weitere sechs Gebiete beschlossen; hinzu kam Mitte 2009 ein „integriertes Entwicklungskonzept“ fĂŒr die Nördliche Luisenstadt, dem schließlich bis 2011 entsprechende Konzepte auch fĂŒr die anderen sieben Sanierungsgebiete folgten.

Somit war die Förmliche Festlegung aller acht Gebiete am 15. MÀrz 2011 durch Senatsbeschluss möglich. Dabei wurden die zwei Neuköllner Bereiche zu einem Gebiet zusammengefasst.cite-ref-8[7]

Sieben Sanierungsgebiete

Allen Sanierungsgebieten wurden hohe Defizite als „FunktionsschwĂ€che“, in Nutzung und Gestaltung, im Erneuerungsbedarf, in der öffentlichen Erschließung, in der Infrastruktur, etwa im gewerblichen Sektor, und/oder eine „hohe Problemdichte“ zugeordnet. Besonders große „Brachen“ fielen in der Frankfurter Allee Nord an – zum Beispiel das MfS-Areal. Generell wurden in allen Gebieten „AbwĂ€rtstendenzen“ festgestellt:

‱ Mitte – Turmstraße (Moabit)
‱ Mitte – MĂŒllerstraße (Wedding)
‱ Mitte – Nördliche Luisenstadt
‱ Friedrichshain-Kreuzberg – SĂŒdliche Friedrichstadt
‱ Spandau – Wilhelmstraße
‱ Neukölln – Karl-Marx-Straße und Maybachufer/Elbestraße
‱ Lichtenberg – Frankfurter Allee Nord

Insgesamt handelte es sich um ĂŒber 2500 GrundstĂŒcke auf einer FlĂ€che von 539 Hektarcite-ref-9[Anm 2] mit 74.668 Einwohnern. Eingeplant sind 216 Millionen Euro. Zur Finanzierung wurde eine Reihe verschiedener „Töpfe“ vorgesehen. Außer in Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg mit zehn Jahren sind als DurchfĂŒhrungsfrist fĂŒr die Sanierungsmaßnahmen 15 Jahre vorgegeben. Mit der Steuerung der Sanierung wurde STATTBAU betraut.


Entwicklung nach der Haushaltsnotlage

Um den weitgehenden Ausfall der Stadt als Finanzierungspartner auszugleichen, konnte STATTBAU zum einen die bewĂ€hrte Kooperation mit der Evangelischen Kirche fortsetzen und erweitern und mit weiteren Partnern, auch privaten Investoren, verbinden. Zudem wurde der Kompetenzvorsprung im Bereich Wohnbaugenossenschaften genutzt und beim staatlichen RĂŒckzug auf Infrastrukturmaßnahmen das Prinzip der Nutzung ‚verschiedener (Finanz-)Töpfe‘ entwickelt. Dabei gaben die Behörden weiterhin ĂŒber ihr ‚Genehmigungs-Privileg‘ die Regeln vor und STATTBAU ĂŒbernahm die Steuerung.

Erweiterte Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden

‱ 2009 bis 2014 hatte STATTBAU die Projektsteuerung der Instandsetzung der Martin-Luther-Kirche in Mariendorf inne. Besonderheit ist, dass es sich um eine Kirche handelt, deren Innenraum „von der Ideologie des Nationalsozialismus geprĂ€gt“ ist. Sie – so STATTBAU – „ist daher besonders geeignet, sich mit der Geschichte unseres Landes auseinanderzusetzen und soll zu einem Ort fĂŒr kulturelle und Bildungsveranstaltungen ausgebaut werden.“cite-ref-10[8] Die Kirche ist nicht zu verwechseln mit der evangelischen Martin-Luther-Kirche (Berlin-Steglitz), die – als Gegenpart des Regimes – der Bekennenden Kirche und dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine Zuflucht bot.

STATTBAU und der Kirchenkreis Berlin Stadtmitte machten auch die vernachlĂ€ssigten Areale religiöser Einrichtungen im Osten der Stadt zum Thema. In Friedrichshain sanierte STATTBAU 2012/13 die Zwinglikirche zur Nutzung als Forum fĂŒr kulturelle Veranstaltungen und 1993 bis 2003 ebenso die Auferstehungskirche in Friedrichshain, die sich beim Widerstand gegen das DDR-Regime einen Namen gemacht hatte. In einem futuristisch anmutenden Stil wurde das Kirchenschiff zu einem multifunktionalen Saal umgebaut und in hier integrierten Etagen bezog auch STATTBAU seine BĂŒros. Der Turmbereich verblieb der Gemeinde.

Zuerst ging es somit um Kirchen und zugehörige GebĂ€ude und spĂ€ter – auch unter dem Druck steigender Unterhaltskosten fĂŒr die Kirchengemeinden – um die Friedhöfe.cite-ref-11[Anm 3]

Friedhöfe

„Die derzeitige ‚Friedhofslandschaft‘ ist fĂŒr eine Vier-Millionenstadt konzipiert worden. VerĂ€nderungen der Einwohnerzahl, der Sterberate und des Bestattungsverhaltens haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer enormen Verringerung des Bedarfes an FriedhofsflĂ€che gefĂŒhrt.“

Das Friedhofsentwicklungskonzept (IFEK), das STATTBAU 2014 im Auftrag des Ev. Friedhofsverbandes Berlin Stadtmitte in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt Neukölln fĂŒr die Friedhöfe um die Hermannstraße erarbeitet hat, fĂŒhrt „stadtplanerische (‚weltliche‘) Aspekte“ ein, um eine „Umnutzung von nicht mehr fĂŒr Bestattungen benötigten FriedhofsflĂ€chen“ zu bewirken:

„Die fĂŒnf westlich und östlich der Hermannstraße gelegenen Friedhöfe St. Thomas (alt und neu), Neuer LuisenstĂ€dtischer, Jerusalem V, St. Jacobi (neu) sind von diesen VerĂ€nderungen betroffen.“cite-ref-12[9]

Fallstudie zur Problematik der Umnutzung von FriedhofsflÀchen

„Der Begriff FriedhofsĂŒberhangflĂ€che [
] bezeichnet FriedhofsflĂ€chen, die langfristig nicht mehr fĂŒr Bestattungszwecke benötigt werden und einer neuen Nutzung zugefĂŒhrt werden können und ggf. auch sollen.“ Die Studie AETERNITAS (2012c) „schĂ€tzt, dass von den 36.100 ha FriedhofsflĂ€che in Deutschland etwa 15.000 ha ÜberhangflĂ€chen sind.“ Die Berliner Friedhöfe machen „mit insgesamt rund 1.100 ha etwa 11 % der öffentlichen GrĂŒnflĂ€chen und damit 1,2 % des gesamten Berliner Stadtgebietes aus. [
 Vergleich: Tempelhofer Flugfeld mit 300 ha]. Am 27. Juni 2006 hat der Senat von Berlin den Friedhofsentwicklungsplan beschlossen.“ Beauftragt wurden 2002 Stattbau und ein GartenbaubĂŒro. Nach deren Untersuchung waren „auf Basis des Richtwerts von 2 mÂČ FriedhofsflĂ€che pro Einwohner und der erwarteten Einwohnerentwicklung [
] fast alle Bezirke gegenwĂ€rtig und zukĂŒnftig mit FriedhofsflĂ€chen ĂŒberversorgt.“ Zwei neue Nutzungsmöglichkeiten wurden vorgeschlagen, erstens GrĂŒnflĂ€che/Wald zur „Sicherung des GrĂŒnpotentials der Stadt“ und zweitens „FlĂ€chennutzungsarten gewerblicher, infrastruktureller, baulicher bis hin zur wirtschaftlichen Nachnutzung, sofern dies im Einklang mit der Umgebung besteht. [
] Insgesamt sollen etwa 276 ha FriedhofsflĂ€che in Abstimmung mit den zustĂ€ndigen BezirksĂ€mtern umgenutzt werden.“ Die Autorin hielt – Veröffentlichung der Studie 2016 – die Planung fĂŒr unzulĂ€nglich und „vermutet“, dass insbesondere „der mangelnde Rechtsanspruch auf Umwidmungen“ sowie unbestimmte Kosten- und Finanzierungsfragen „zu Konflikten zwischen den konfessionellen FriedhofstrĂ€gern und den zustĂ€ndigen Stadtplanungs- und StadtentwicklungsĂ€mtern fĂŒhren wird. [
] Es ist davon auszugehen, dass öffentliche Finanzierungen und Übernahmen von GrĂŒn- und WaldflĂ€chen bei der derzeitigen angespannten Haushaltslage nicht erfolgen können.“ Ein Modellvorhaben 2008 zeigte die Problematik der Regelung von Nutzungsrechten, Schließung und Umwidmung mit teils jahrzehntelanger Laufdauer. In Berlin liegen „mindestens 30 Jahre zwischen der letzten Beisetzung in einem Grabfeld und einer neuen Nutzung dieser FlĂ€che. Bei pietĂ€tsunbefangenen FlĂ€chen („VorhalteflĂ€chen“) können sofort Entwidmungen durchgefĂŒhrt werden.“ Die Untersuchung schloss mit dem Jahr 2013 (veröffentlicht 2016).cite-ref-13[10]

Generell gibt es eine Opposition gegen eine Reduzierung der FlĂ€chen der Friedhöfe, die auch versucht alternative Möglichkeiten zur Finanzierung von Pflege und Unterhalt zu entwickeln. STATTBAU reagiert auf die Bedenken – ein Beispiel ist der Bau eines Hauses fĂŒr ein Wohnprojekt, das sich am Rande einer FriedhofsflĂ€che befindet (ehemaliges VerkaufsgebĂ€ude fĂŒr Blumen, Grabsteine). Auch der Baugruppe war wichtig, dass das neue Haus nicht auf ehemaligen GrĂ€bern steht.

Zum Teil gibt es jedoch bislang nicht fĂŒr Bestattungen genutzte FlĂ€chen, die brach liegen oder missbraucht werden und deren Pflege den Gemeinden schon seit Jahren nicht mehr möglich war. Hier versucht STATTBAU eine behutsame Umnutzung:

‱ „StĂ€dtebaulicher Entwurf fĂŒr den Bebauungsplan B-Plan XIV-285 Jerusalem V: Friedhof Jerusalem und Neue Kirche V im Bezirk Neukölln sollen einer neuen Nutzung zugefĂŒhrt werden. Wesentliches Ziel des Bebauungsplans ist die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen zur baulichen Entwicklung von TeilflĂ€chen des Friedhofs als Allgemeines Wohngebiet sowie einer GrĂŒnflĂ€che mit der Zweckbestimmung Friedhof/Parkanlage sowie einer GedenkstĂ€tte. STATTBAU wurde damit beauftragt einen stĂ€dtebaulichen Entwurf, der dem Bebauungsplan zu Grunde gelegt wird, zu erarbeiten. Im Rahmen der Beauftragung durch den evangelischen Friedhofsverband werden auch die weiteren Entwicklungsschritte betreut und unterstĂŒtzt.“cite-ref-14[11] GegenwĂ€rtiger Stand: Vorbereitung des Bebauungsplans (2017).

‱ STATTBAU wurde von der Landeshauptstadt SaarbrĂŒcken beauftragt, auf Grund der dort Ă€hnlichen Situation („Abnahme von Körperbestattungen zugunsten von Feuerbestattungen sowie konkurrierende Bestattungsmöglichkeiten privater Anbieter“) die Möglichkeiten einer Umnutzung von ÜberschussflĂ€chen zu ermitteln.cite-ref-15[12]

Wohnbaugenossenschaften

Bereits 1986 nutzte Stattbau seine Erfahrungen im Rahmen der GrĂŒndung der Luisenstadt eG zur Initiierung von Selbstverwaltung zur GrĂŒndung von Wohnungsgenossenschaften. 1995/1997 wurde die Bewohnergenossenschaft FriedrichsHeim eG gegrĂŒndet.

‱ 2008 richtete STATTBAU zusammen mit der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umweltschutz die Netzwerkagentur „GenerationenWohnen“ als Beratungsstelle ein. 2012 wurden die Erfahrungen von 14 im Sommer 2011 bereits realisierten Projekten in einer BroschĂŒre vorgestellt.cite-ref-16[13]

‱ 2008 bis 2013 begleitete STATTBAU die Wohnbaugenossenschaft Möckernkiez eG.

„Rund 200 Baugruppen-Projekte haben in den vergangenen zehn Jahren vor allem die kleinen BaulĂŒcken in der Innenstadt fĂŒr sich entdeckt.cite-ref-17[14] In keiner anderen TrĂ€gerform verbindet sich die soziale Utopie vom Leben in der Gemeinschaft so eng mit einem konkreten Rechtsmodell.“ (Constance Cremer, Projektleiterin der Netzwerkagentur ‚Generationen-Wohnen‘ und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von STATTBAU).cite-ref-18[15]

Bis heute gehen zahlreiche WohngenossenschaftsgrĂŒndungen auf die Initiative, Beratung und UnterstĂŒtzung von STATTBAU zurĂŒck. Wegen hoher Kosten sind Neubauten fĂŒr kleine Gemeinschaften oft eine große Herausforderung.

Infrastrukturprojekte

„Das StĂ€dtebauförderprogramm Aktive Zentren setzt wichtige Impulse zur wirtschaftlichen und stadtstrukturellen StĂ€rkung ausgewĂ€hlter GeschĂ€ftsstraßen. Die Zentren sollen als Mittelpunkte der Stadtteile entwickelt werden. Die LebensqualitĂ€t, soziale und ethnische Integration, Zugang zu Bildung, ein lebendiges Kulturleben und ein attraktiver öffentlicher Raum stehen dabei im Mittelpunkt.“

Der SanierungstrĂ€ger „hat insbesondere die Aufgabe, GrundstĂŒcke zu erwerben, die fĂŒr die öffentliche Infrastruktur benötigt werden, also etwa fĂŒr GrĂŒn- und Verkehrsanlagen oder Einrichtungen der sozialen Infrastruktur. Der Grunderwerb soll vorrangig als Direkterwerb durch das begĂŒnstigte Fachvermögen des betroffenen Bezirksamtes erfolgen. [
] Dazu stattet die Auftraggeberin den SanierungstrĂ€ger mit den erforderlichen Finanzmitteln aus, die in ein Treuhandvermögen fließen, das vom SanierungstrĂ€ger bewirtschaftet wird.“

Einrichtungen der sozialen Infrastruktur

Neben GrĂŒnflĂ€chen und ihrer Nutzung, Verkehrsanlagen und Versorgungssystemen (Wasser, Kanalisation, Energie und heute auch Kommunikationssysteme) bilden die verschiedenen Einrichtungen mit sozialen Komponenten die vier Hauptbereiche von Infrastruktur, deren Bau und Erhalt „Kernaufgabe“ der „öffentlichen Hand“ ist.

Kinderbetreuung und Bildung

Hohen Stellenwert besitzen Einrichtungen fĂŒr Kinder und Jugendliche – nicht nur, da dies generell einer hohen Aufmerksamkeit in fortgeschrittenen Gesellschaften obliegt –, es geht damit auch um die Gruppe der „jungen Familien“, der in der Lebenswelt eines Stadtteils eine besondere Stabilisierungsfunktion zugeordnet ist. Diese konzeptionelle Bevorzugung hebt auch auf die Kaufkraft dieser Gruppe ab, die in ihrem Innern – dem PaargefĂŒge – gefördert wird und in stadtplanerischen ErwĂ€gungen eine große Rolle spielt. Es gilt als legitim, in der Großstadt fĂŒr den betreffenden Personenkreis auch großrĂ€umige Refugien zu schaffen, zumal dort dann auch Kulturen eine Chance haben (BiolĂ€den, Kunst), die andernorts Nischenversorgung sind. Inzwischen haben auch die Single-Haushalte viel Gewicht.

‱ STATTBAU gestaltete zahlreiche SpielplĂ€tze und Kinderhorte (mehrfach in Stadtteilparks)
‱ Treffpunkte (Mehrgenerationen, fĂŒr Frauen, Senioren)
‱ Umgestaltung in Schulen und Neugestaltung der Höfe
‱ SportplĂ€tze und „Spots“ (Skateboard- und Inline-Fahrer)

Anmerkungen

cite-note-3Anm 1. ↑ Mit der finanziellen Abwicklung und der Kontrolle der Maßnahmen des 25-Millionen-Programms wurden fĂŒr das Land Berlin von der Senatsverwaltung fĂŒr Bau- und Wohnungswesen beauftragt: DeGeWo, BSM, L.I.S.T., S·T·E·R·N, SPI, STATTBAU und die ARGE MITTELSTRASSE.
cite-note-9Anm 2. ↑ Ein Hektar sind 10.000 mÂČ. Die sieben Gebiete umfassen somit 5,39 kmÂČ.
cite-note-11Anm 3. ↑ Als Beitrag zur Berliner Friedhofsentwicklungsplanung erarbeitete STATTBAU in Abstimmung mit den jeweiligen FriedhofstrĂ€gern und -verwaltungen der zustĂ€ndigen BezirksĂ€mtern und der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung fĂŒr 76 Friedhöfe in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Neukölln (Hermannstraße) und Tempelhof-Schöneberg die Spezielle Friedhofsentwicklungsplanung (IFEK). (Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Friedhofsentwicklungsplan [1]). (Abruf=2020-09-16).

Weblinks

Commons

: STATTBAU Berlin

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ STATTBAU Berlin
‱ Netzwerk GenerationenWohnen
‱ STATTBAU HAMBURG
‱ STATTBAU MĂŒnchen
‱ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Wohnen: StĂ€dtebau/Projekte

Literatur

‱ Hg.: Stattbau Stadtentwicklungs GmbH: Stattbau informiert, Stattbau und Oktoberdruck, Berlin 1984. ISBN 3-924536-00-7.
‱ Senatsverwaltung fĂŒr Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): Stadterneuerung Berlin, Oktober 1990. Hier: Siegfried Kleimeier: Stattbau – ein Pilotprojekt mit Zukunft.
‱ Hartmut HĂ€ußermann/Andrej Holm/Daniela Zunser: „Stadterneuerung in der Berliner Republik“, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2002. ISBN 978-3-8100-3440-3.
‱ Matthias Berndt: Das Ende der Behutsamkeit? (Jahrbuch Stadterneuerung 2013).
‱ Josef Bura: Stattbau Hamburg – Neue QualitĂ€ten fĂŒr das Planen, Bauen und Wohnen, in: Stattbau Hamburg (Hrsg.): Wohnprojekte, Baugemeinschaften, Soziale Stadtentwicklung, Das Stattbau-Buch, Hamburg 2002.
‱ Marie-Luise Hornbogen: Heute Friedhof. Morgen Wohngebiet?, Fallstudie Berlin zur Friedhofsentwicklung in der Stadtplanung (2013), Technische UniversitĂ€t Berlin, Institut fĂŒr Stadt- und Regionalplanung, UniversitĂ€tsverlag der TU Berlin 2016. ISBN 978-3-7983-2793-1. (online).
‱ Dieter Frick: Theorie des StĂ€dtebaus. Zur baulich-rĂ€umlichen Organisation von Stadt, Wasmuth Verlag, 2006. ISBN 978-3-8030-0654-7.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Hardt-Waltherr HĂ€mer: Behutsame Stadterneuerung in: Hrsg.: Senatsverwaltung fĂŒr Bau- und Wohnungswesen, Stadterneuerung Berlin, Berlin 1990, S. 70.
cite-note-22. ↑ Borgelt, Dieser, Keckstein: Das 25-Millionen-Programm in: Stadterneuerung Berlin, 1990, S. 102
cite-note-43. ↑ STATTBAU Geschichte: [2]. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-54. ↑ STATTBAU Geschichte > 1991: [3]. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-65. ↑ Berlin erklĂ€rt Haushaltsnotstand. In: tagesschau.de-archiv, 5. November 2002, S. 5. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-76. ↑ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umwelt: Berliner Sanierungsgebiete Abschnitt 1. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-87. ↑ Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umwelt: Berliner Sanierungsgebiete Abschnitt 2. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-108. ↑ STATTBAU Projektbeschreibung zur Martin-Luther-Kirche: pdf. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-129. ↑ STATTBAU: Friedhöfe an der Hermannstraße pdf. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1310. ↑ Marie-Luise Hornbogen: Heute Friedhof. Morgen Wohngebiet?, Fallstudie Berlin (2013), TU Berlin 2016, S. 55 f./60 ff./70 ff. pdf (Als PDF unten auf der Seite). (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1411. ↑ STATTBAU Planung Friedhöfe Hermannstraße: pdf. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1512. ↑ STATTBAU Friedhofentwicklungsplan SaarbrĂŒcken: pdf. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1613. ↑ STATTBAU: Beratung GenerationenWohnen: [4] (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1714. ↑ Isabell JĂŒrgens: Der Traum von der eigenen Wohnung in der Stadt, Berliner Morgenpost, 2016. (Abruf=2020-09-16).
cite-note-1815. ↑ Lars Klaaßen: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit, SĂŒddeutsche Zeitung, 14. Mai 2015. (Abruf=2020-09-16).